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.Jänner 2010
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Niemals Vergessen
Gemeinsam mit dem Verein "Niemals Vergessen" machte sich die ÖGJ auf eine Bildungsreise zu den Gedenkstätten des Holocausts in Polen. Die persönlichen Eindrücke: unbegreiflich, erschreckend, unverständlich.
Wien. Freitag, 29. Jänner, 22:00 Uhr. Unsere Reise beginnt mit dem Nachtzug von Wien nach Warschau. Dort angekommen, fahren wir zum Konzentrationslager (KZ) nach Treblinka. Wie zur dieser Zeit in Polen üblich schneit es und es ist klirrend kalt. Dennoch stapfe ich wie alle anderen durch den knöcheltiefen Schnee. Genau an jenem Ort, an dem im Zweiten Weltkrieg das als letztes errichtete, jedoch bald größte nationalsozialistische Vernichtungslager im Rahmen der Aktion Reinhardt* erbaut wurde. Etwa 17.000 Granitsteine befinden sich auf dem Areal, jeder einzelne nennt ein Land oder einen Ort, aus dem die im Lager ermordeten Juden und Jüdinnen kamen. Zwischen Juli 1942 und August 1943 wurden in Treblinka II mehr als 700.000 Menschen vergast.
"Erntefest"
Unser nächstes Ziel: Lublin. Eine Stadt, in der viele jüdischen Menschen gelebt hatten, bevor sie von deutschen Soldaten besetzt wurde. Es ist ein schöner Wintertag, die Sonne scheint, als wir mit dem Bus in den Stadtteil Majdanek fahren. Noch mitten in der Stadt taucht plötzlich auf der rechten Seite ein riesiges Monument des ehemaligen KZ Majdanek auf. Die Straße zum Mausoleum für die Opfer des Faschismus scheint nie enden zu wollen. Das Denkmal ähnelt einer offenen Urne mit einem Durchmesser von 20 Metern und ist gefüllt mit der Asche ermordeter Menschen. Rund 230.000 Opfer - das ist die erschütternde Bilanz des KZ Majdanek. Den traurigen Höhepunkt bildete das sogenannte "Erntefest". In der Nacht zum 4. November 1943 kamen Transporte mit Juden und Jüdinnen aus Lublin und aus anderen Konzentrationslagern. Sie standen in einer langen Schlange und warteten, bis sie in Zehnergruppen vortreten mussten. Die SS-Leute schossen ihnen von hinten in den Kopf. Die nächsten zehn Häftlinge mussten sich auf die Toten stellen und wurden ebenfalls erschossen, während die restlichen bereits wussten, worauf sie warteten. Bis zum nächsten Morgen waren 18.000 Menschen tot.
"Gib der Oma das Baby"
Gegen Ende der Reise fahren wir in das größte Vernichtungslager aus der Zeit des Nationalsozialismus: Auschwitz-Birkenau. Ich bin gespannt, die Fotos kannte ich. Vom Wachturm überblickt man das ganze Lager. Unvorstellbar. Riesengroß. Ich bin stumm und blicke nur über die Überreste der Baracken, meist nur mehr Schornsteine und das erhaltene Frauenlager. Die Geleise für die Züge, die die Menschen direkt ins Lager brachten, sind leicht mit Schnee bedeckt. Gleich daneben die sogenannte "Judenrampe": Hier wurden Schwache, Kranke, Alte und Kinder von den Arbeitsfähigen selektiert und ohne Registrierung sofort ins Gas geschickt. Vom Frauenlager aus, konnte man die Neuankömmlinge sehen. Einmal schrie eine bereits Inhaftierte zu einer Frau auf der Rampe, die ein Baby auf dem Arm trug und neben einer älteren Frau ging: "Gib der Oma das Baby!". So konnte die Frau dem Gas vorerst entkommen, denn die ältere Frau und das Kleinkind mussten ohnehin gleich sterben.
Eine unbeschreibliche Reise, um niemals zu vergessen.
*Tarnname für die systematische Vernichtung aller europäischer Juden und Jüdinnen
LInk zum Video der Bildungsreise zu den Gedenkstätten in Polen:
http://www.oegj.at/servlet/ContentServer?pagename=S01/Page/Index&n=S01_0.a&cid=1268668651580
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